BJÖRN WUNDERLICH

Verliebt in die Nikon Df

Okay, der Titel ist ein wenig überspitzt. Und nein, ich werde jetzt keine Liebeserklärung niederschreiben, schon gar nicht an eine Kamera. Hat sie doch keine Seele – oder etwa doch? Zumindest steht für mich fest, dass ich sie jeden Tag in die Hand nehmen möchte.

Es fühlt sich einfach richtig an. Ich muss zugeben, dass ich die Nikon Df nie so richtig vor Augen hatte, wurde sie doch leider von vielen Personen bei ihrem Erscheinen 2013 förmlich „zerrissen“. So las und hörte man Sätze wie „Spielzeugkamera“ oder „Df = don’t focus“. Aus irgendwelchen Gründen musste ich davon wohl auch beeinflusst worden sein, denn ich hatte sie niemals auch nur in Betracht gezogen – ja noch nicht einmal ausprobiert, obwohl ich sie schon immer wunderschön fand.

Nach etlichen Kamera-Systemen, mit denen ich nie richtig zufrieden war (beruflich jedoch gebraucht wurden) blieb nicht mehr viel übrig. Nach dem für mich enttäuschenden Nikon Z6-System schaute ich mir die Df dann 2021 doch einmal genauer an. Lichtblick-Foto in Konstanz hatte eine schwarze mit gerade erst mal 10.000 Auslösungen im Verkauf.

Ich war auf Anhieb „verliebt“. Klein, handlich, leicht (700 Gramm) und dennoch fast alles aus Metall gefertigt. Nach einigen Test-Fotos stand für mich fest, dass ich die Kleine einfach mitnehmen muss. Da ich überhaupt keine F-Mount Objektive besaß, kaufte ich gleich noch das 35mm 2.0D, das 60mm 2.8D, sowie das 50mm 1.8. Ab um den See zurück nach Friedrichshafen, Akku laden und dann noch eine AF-Feinjustage für die Objektive durchgeführt.

Leider war die Belederung etwas beschädigt. Hier half mir wie immer der Nikon-Service München weiter. Für 50€ schickten sie mir die Original-Teile zu. War zwar ein wenig Gefummel, dafür sieht die Kleine jetzt wieder aus wie neu.

Schnell wurde mir klar, dass die Kamera bleiben wird. Die Fotos sind wunderschön, die Farben für meine Augen sehr angenehm. Und dann ist da noch etwas, was die Kamera ausmacht: sie fühlt sich einfach gut an und sieht gut aus. Die Bedienelemente sind genau da, wo ich sie haben möchte. Ich kann die wichtigsten Einstellungen schnell vornehmen, ohne in irgendwelche absurden Menüs herumwühlen zu müssen. Die 16MP reichen mir völlig aus. Ich mag einfach keine Plastikkamera benutzen müssen. Ich benötige keinen elektronischen Sucher – ja dieser distanziert mich sogar vom Subjekt. Und selbst wenn das Foto mal über- oder unterbelichtet ist, der Sensor der D4 hat genügend Reserven, dass man das im Nachhinein noch im RAW-Editor beheben kann.

Zu den Farben

Es gibt Stimmen die sagen, dass es doch völlig egal sei, welche Kamera man hernimmt. Dem muss ich klar widersprechen. Ich mochte nie die Farben einer Sony (die A7 II ist für mich am gruseligsten), der D810 oder der D750, wobei mir die Farben der D700, einer D3 oder D4 (Df) am besten gefielen. Fakt ist: die Df, die D700, die D3 und die D4 haben einen Nikon-Sensor, die D810 und D750 haben Sony-Sensoren. Die Unterschiede sind klar zu erkennen. Aber das ist auch Geschmacksache.

Die Df ist unterschätzt

Ich kann nicht nachvollziehen, wieso die Df ein Nischen-Produkt blieb und sie so negativ behaftet war und ist. Natürlich hat sie ein paar Schwächen, die jedoch für mich marginal sind. Jetzt kann ich nur hoffen, dass die Kleine noch Jahre ihre Dienste verrichten wird, denn einen Ersatz sehe ich nicht. Nikon brachte zwar vor Kurzem eine Baby-Df, die Z fc „Das neue Original“ auf den Markt. Diese APS-C Kamera jedoch hat für mich rein gar nichts mit einer Df gemeinsam. Liegt das Augenmerk hier jedoch leider auf den technischen Spielereien und den Megapixeln. Mit der originalen analogen FM/FE hat die Kamera rein gar nichts mehr zu tun, außer vielleicht ein wenig die Optik. Schade.

Es gibt ein paar Schwächen

Einen negativen Punkt jedoch muss ich ansprechen, der mir ab- und zu ein wenig Bauchschmerzen bereitet: der fehlende 2. SD-Kartenslot für einen Backup. Ich hatte zwar noch nie einen Kartenfehler und habe daher noch nie Fotos „verloren“. Allerdings würde es mich beruhigen, hätte sie die Möglichkeit dazu. Aber wer weiß, vielleicht kommt irgendwann eine neue Df, also eine „Richtige“. Bis dahin genieße ich die Zeit mit der originalen Df.

Und bevor ich es vergesse: ja, die Df ist etwas zäh, wenn es um die Fokussierung bei sehr wenig Licht geht. Da sind neue Kameras einfach besser. Das kann man nicht schön reden. Was jedoch auch am fehlenden AF-Hilfslicht liegt. Hier gilt: der Df die Zeit geben oder nicht im Dunkeln fotografieren. Tja...

Ja, auch 2022 macht sie tolle Fotos

Immer wieder findet man Video mit dem Titel „Kamera XY in 2022 – gut genug?“. Ich sage dazu: keine aktuelle Kamera wird schönere, oder bessere Fotos machen! Mit der Df kannst du locker ISO 6400 verwenden. Wieso sollte eine fast 10 Jahre alte Kamera keine guten Fotos mehr machen können? Aber natürlich – als Sportfotograf oder Jemand, der hochauflösende Produktfotos verkauft, wirst du mit der Df sicherlich nicht glücklich werden ;)

Objektive, die ich an der Df nutze: 24mm 2.8 D, 35mm 2.0 D, 60mm 2.8 D & 50mm 1.8 ASPH.

Schlussworte

Die Nikon Df ist für mich eine echte Kamera - eine der Wenigen, die noch mit alten, analogen Kameras gewisse Ähnlichkeiten hat. Wer sich eine Df kauft, der weiß was er will und was nicht. Sie kann eben nur 2 Dinge: fotografieren und gut aussehen. Sie kann nicht filmen, hat keinen überflüssigen Bildstabilisator, kann sich nicht mit dem Smartphone verbinden und hat auch keinen Augen-Autofokus. Und das ist gut so.

Vielen Dank für’s lesen – und, vielleicht probierst du auch mal eine Df aus?

Björn

  • Aprilwetter

    Nachdem wir uns noch Ende März 2022 über 15° C freuen durften, machte der April seinem Namen alle Ehre und brachte uns leider (für manche auch vielleicht zur Freude) den Schnee zurück. Allerdings zum Glück…

    Zeeland

    Ich bin sehr gerne in den Niederlanden. Und dann am liebsten in der Provinz Zeeland. Das Leben läuft hier weniger hektisch ab, als wie aus Deutschland gewohnt sind. Natürlich wird das auch ein Stück daran liegen, dass es sich hier um Urlaubsgebiete