Ach du je, jetzt kommt schon wieder so ein Hipster mit MacBook unter dem Arm, Café Latte in der linken Hand und die Leica geschultert, der jetzt schreiben muss, was für ein Feeling mit ner Leica aufkommt? Ähm, nein, nicht wirklich – oder doch? Hallo, ich bin kein Redakteur, keine Ahnung, was ich weiter unten schreiben werde…  Zu den „Feelings“ jedoch später mehr.

Also, um das ganze Gefasel hetzt mal anzufangen: ich hatte schon Jahre immer mal wieder zu Leica geschielt, wohlwissend, dass es finanziell einfach nicht drin ist, denn für einen Leica M-Body samt 2-3 Leica Objektiven ist man schnell mal schnell bei 15.000 € angelangt – zumindest dann, wenn man sich das Neu kauft. „Was soll das, was schaust du dich da immer um?“ fragte ich mich dann immer wieder. Es ist ja nicht so, dass ich keine Kameras hatte, ganz im Gegenteil: 2-3 hochwertige DSLR samt Objektiven, Blitzen und das ganze Geraffel, was eben so „dazugehört“.

Ich weiß, man könnte jetzt sagen: „selbst schuld, hättest dir halt für den Sack Gold statt 2 Canon und 6  Objektive (die guten mit dem roten Ring) einfach 1 Leica & 3 Objektive (die wirklich Guten) gekauft…“ Stimmt! Die Sache hat nur einen Haken: ich verdiente zu dieser Zeit mein Geld mit dem Fotografieren – Hochzeiten & Business Porträts.

Nachdem ich mich 2017 entschloss, keine Auftragsarbeiten mehr anzunehmen, war ich es einfach nur noch Leid, mich auf den Autofokus zu verlassen, schwere, hässliche und klobige Kameras mit mir herumzutragen. Ach halt! Da war doch noch was! Ja, die Sache mit den Farben der modernen Kameras (ich spreche NICHT von Mittelformat-Kameras ab 30.000€). Die haben mir nie gefallen. Nach jedem Import der Fotos musste ich die Farben tweaken – grün war zu gelb und zu gesättigt, die Haut-Töne erinnerten mich an Currypulver… Daher habe ich dann immer wieder mal auf 35mm oder 6×7 Film fotografiert und auch entwickelt (macht ja Spaß, ist aber etwas lästig auf Dauer). Na Ja, aber die Farben waren immer Top!

So, was nun? Lichtblick-Foto in Konstanz hat laut Webseite die Sony A7 III auf Lager – Super Sache, dachte ich. Also angerufen und reserviert. Schwups ins Auto und los – wird bei der IIIer sicherlich alles besser, dachte ich. Neuer Sensor und so, 24MP – sollte doch passen.

Keine 10 Minuten im Auto sprach da eine Stimme in meinem Kopf „Hey Björn, erinnerst du dich noch an die Leica M9 DNG, die dir ein Bekannter mal zugeschickt hat? Die 18MP DNG waren doch der Hammer, so fast geil ohne Bearbeitung…“. Ich habe 5 Minuten überlegt und das dann meiner Frau gesagt. Die natürlich gleich auf einen Parkplatz raus: so wir reden jetzt. Oh Oh… Auf jeden Fall sagte sie mir dann was wirklich zählt: Kaufe dir endlich die Kamera, die du willst und die du liebst – nicht eine, die du meinst haben zu müssen bzw. die „wirtschaftlicher“ ist. Du erzählst doch schon seit Jahren von der Leica (ist das so? J). Jetzt ohne Mist, ich musste nur beim Gedanken an die M9 einfach grinsen, wohlwissend der ISO-Schwächen und des doch sehr antiquierten Display, welches wohl eher nur dazu dient, grob einzuschätzen, ob das Foto was geworden ist oder eben nicht. Aber diese Gedanken schob ich gleich beiseite, denn früher bin ich ja auch mit einem 400ASA Film los und habe was mit nach Hause gebracht.

Also, rein in den Laden. Wow, hier steht ja so Alles rum, was man sich vorstellen kann. Nix für Leute wie mich. Na Ja, ich habe ja ein Plan. Ich lief zu einem Verkäufer und stammelte irgendwas davon, dass ich ja wegen der A7 III angerufen hätte, aaaaber jetzt vielleicht doch lieber eine M9 hätte. O je, ich dachte mir nur „die denken doch, der hat nen Knall! Wie kommt der jetzt von Sony zu Leica?“. Egal, Gedanke schnell beiseite geräumt, denn flux nachdem das Wort Leica fiel, kam ein großer, schlanker Kerl daher, der sofort nachdem er Leica gehört hatte, glasige Augen bekam. Nach ein wenig Fachsimpelei fuhr ich dann auch ziemlich schnell mit einer gebrauchten M9 samt 35mm Summilux wieder nach Haus – mit einem Grinsen im Gesicht. Akku geladen, erste Fotos gemacht, in Capture One importiert und gefreut wie Bolle. Ist doch kein Hexenwerk, die Fokussierung (Na Ja, alles kann man damit nicht machen). Und ja, ich weiß um die Schwächen der M9, die mir jedoch Wurst sind.

Ja, es sind genau die Farben, die mir so gut gefallen. Das etwas flache DNG, welches genau für mich zugeschnitten scheint. O.K., dann der Schock: alte Firmware auf der M9, alte CC ID – es scheint so, dass kein neuer Sensor (Korrosions-Problematik) verbaut ist, obwohl mir das bestätigt wurde. LEICA hat mir gleich montags bestätigt: kein Sensor der 2. Generation. Das ist schlecht! Ich habe ja eigentlich dafür Geld bezahlt… Also gleich beim Verkäufer angerufen (etwas genervt). Ihm war das absolut unverständlich, wie das passieren konnte. Nun gut, mal wieder runterkommen. 1… 2… 3… so, geht wieder.

Aussage Inhaber: Ich schicken Ihnen morgen eine „neue“ M9 zu, komplett mit OVP, kaum benutzt inkl. Aller Unterlagen. Dazu noch die A7 III.  Testen sie alles mal 1 Woche und entscheiden sich dann. So Etwas finde ich klasse!

2 Tage spaäter hatte ich das Paket in den Händen, packte die Leica zuerst aus und bin fast umgekippt: das Ding sieht aus wie neu (Kamera aus 2012)! Alles leichtgängig, 1 Mini-Kratzer oben, ansonsten alles TippiToppi – 3.000 Auslösungen, passt. Noch ein paar Fotos gemacht, Fokus sitzt, wunderbar. Dann die A7 III ausgepackt, 10 Minuten „rumgespielt“, 20 Fotos gemacht und zurück in den Karton – Tschüssi-Kowski! Ich will das nicht mehr. Computer am Auge, Wasserwage, ISO, Blende, Zebra und was weiß ich nicht alles…

So schaut’s aus, ich bleibe bei der M9 – momentan nur mit dem 35er Summilux, aber da kann ja noch was kommen. Nicht sofort, aber irgendwann (sind ja bekanntlich nicht ganz so günstig). Und das „Feeling“, dass ich immer als irgendwie lächerlich bezeichnete, das habe ich jetzt auch. Keine Ahnung wieso. Ich weiß nur, dass ich die Kamera so gerne anschaue, in die Hand nehme und damit fotografiere. Ist irgendwie eine alte „Filmkamera“ mit digitaler Technik. Eine Reduktion auf das Wesentliche. Es geht um das Foto, nicht um brachiale Schärfe oder Schnelligkeit – kein Piepsen, keine Warnungen, kein Surren… Und wenn der Fokus daneben ist, bin ich Schuld und nicht das Fehl-Justierte Objektiv. Nach 2 Tagen stellte ich fest, dass ich (bis auf 2 weitere Objektive) so gar nichts vermisse, auch das Display (welches wirklich nicht gut ist), vernachlässige ich.

So, wer bis hier her gelesen hat: kann dann doch nicht so langweilig gewesen sein, oder? Das freut mich. Habe auch noch ein paar wenige Fotos angefügt. Nix Besonderes, aber darum geht’s mir ja auch momentan nicht. Bin happy, meine Herzens-Kamera gefunden zu haben und hoffe, das Ding wird lange halten! Es hat ganz schön lange gedauert, bis ich meine Kamera gefunden habe, die ich nicht anfasse weil ich es muss – nein, weil ich es will! ich weiß auch um die Tatsache, dass es wirklich viele wichtiger Dinge im Leben gibt, aber für mich ist die Fotografie eine Bereicherung.

P.S.: zum Theme „Hipster“ – Vans habe ich, Café Latte trinke ich und ein MacBook habe ich auch, also passt die Leica doch gut dazu *g*…

Grüße und viel Spaß beim fotografieren!
Björn

Updates (nach den Fotos am Ende des Post)

Update 26.03.2018

Ich habe die Kamera jetzt seit 1 Woche. Das gute Gefühl ist geblieben und wird immer besser, was ich von meinen „verblichenen“ Kameras nicht behaupten konnte. Die Freude war da spätestens nach 1-2 Tage verschwunden (bis auf die Leica Q)…